Neurowissenschaften

Die vier Ebenen meiner Persönlichkeit

Neurowissenschaftler können erklären, wie unser Verhalten gesteuert wird. Zum Beispiel Prof. Dr. Gerhard Roth, Biologe und Hirnforscher an der Universität Bremen, von dem wir auch diese Grafik übernommen und vervollständigt haben. Nach Erkenntnissen von Roth entwickelt sich die Persönlichkeit eines Menschen auf vier Ebenen des Gehirns.

4Ebenen_Roth und Hoyer

Diese vier Ebenen werden in unterschiedlichen Lebensabschnitten der Hirnentwicklung geformt und bestimmen als Persönlichkeitsmerkmale unser Verhalten. Sie wirken stark hierarchisch, wobei die drei limbischen Ebenen überwiegend unbewusst arbeiten, der Cortex (kognitive Ebene), hingegen für die bewusste Steuerung zuständig ist. Der Einfluss der vierten Ebene, der Großhirnrinde (Cortex) mit der Möglichkeit des reflektierenden Nachdenkens wird somit bei der Verhaltenssteuerung allgemein überschätzt, da unser Verstand nur einen geringen Einfluss auf das Unterbewusstsein hat. Wir können also eine klare und vernünftige Einsicht haben und uns dennoch unter dem Einfluss des Limbischen Systems gegenteilig verhalten.

Emotionale Konditionierung von Mustern

Unsere Rollen- und Lebensmuster sind in der mittleren limbischen Ebene verankert. Dort läuft die unbewusste emotionale Konditionierung ab, und zwar abhängig von der individuellen Erlebniswelt. Alles, was der Körper erlebt, auch als Beobachter Dritter, wird ausschließlich nach den daraus folgenden positiven oder negativen Konsequenzen bewertet und mit entsprechenden Emotionen fest verbunden.

Negativ erlebte Konsequenzen werden von der Amygdala mit Gefühlen wie Angst, Hilflosigkeit, Verwirrung oder Schock verknüpft. Interaktionspartner der Amygdala ist das mesolimbische System, auch „Belohnungssystem“ oder „Motivationssystem“ genannt. Es ist für unser Lustgefühl zuständig. Hier sind die angenehmen Erlebnisse gespeichert, die mit Emotionen wie Spaß, Freude und Gefühlen verbunden sind, die wir bei Anerkennung, Lob und Lust spüren.

Im Verlaufe dieser emotionalen Konditionierung entstehen zahlreiche Cluster von Glaubenssätzen. Die Summe vieler Cluster bildet ein komplexes Glaubenssystem, welches die Werte, Normen und Regeln der Familie spiegelt und unser Verhalten über die konditionierten Emotionen steuert. Häufig kommen diese erst zum Vorschein, wenn wir ein bestimmtes Alter oder einen bestimmten Lebensabschnitt erreicht haben. Bis dahin „schlafen“ die Strukturen.

Angeborene Reaktionsmuster

Die untere limbische Ebene umfasst komplexe, angeborene Reaktionsmuster, die als die Grundzüge unserer Persönlichkeit (Temperament) anzusehen sind, und unbewusst in uns wirken. Hier ist neben unterschiedlichen Urängsten auch unsere Haltung festgelegt, also die Art, wie wir das Erlebte filtern und wahrnehmen. Geschwister mit unterschiedlicher Mentalität (z.B. Realist, Zyniker, Stoiker, Pragmatiker) würden das Erlebte entsprechend unterschiedlich bewerten.