Heilpraktiker genießen Therapie- bzw. Methodenfreiheit

Heilpraktikern und Psychotherapeutische Heilpraktiker genießen Therapiefreiheit. Aber was bedeutet es konkret? Will das Gesetz damit ausdrücken, dass die Anwender, die unter das Heilpraktikergesetz fallen, in der Wahl ihrer Methode gänzlich FREI sind?
Allgemein bekannt ist, dass sie Therapieformen wählen dürfen, die unter Wissenschaftlern nicht anerkannt sind. Aber dürfen sie auch „Eigenkreationen“ oder gar paraärztlicher Behandlungsformen wählen? Das BGH sagt „JA, das dürfen sie“ und begründet dies wie folgt:

„Es kann dahingestellt bleiben, ob dies schon deswegen der Fall sein muss, weil sich eine Beschränkung der Methodenfreiheit aus Rechtsgründen als Hemmnis des medizinischen Fortschritts bzw. als Stillstand der Medizin darstellen würde“

BGH Urteil vom, 29.01.1991 – VI ZR 206/90 Nummer 21 mit Verweis zu Bockelmann, Strafrecht des Arztes, 1968, S. 87; Eser, ZStW 97 (1985), 9, 12; H. Jung, ZStW 97 (1985), 47, 56; Kohlhaas, Medizin und Recht, 1969, 69; MünchKomm./Mertens, 2. Aufl., § 823 Rdn. 391; Siebert, Strafrechtliche Grenzen ärztlicher Therapiefreiheit, 1983, S. 38 und MedR. 1983, 216, 218; a.A. Schmid, NJW 1986, 2339, 2340).

Weiter wird im gleichen Urteil unter Nr. 35 verkündet:

Im Übrigen muss es auch einem Heilpraktiker ebenso wie einem Arzt gestattet sein, neue medizinische Veröffentlichungen und Auffassungen an den eigenen Kenntnissen und Erfahrungen zu messen und zu beobachten, ob diese in der übrigen Fachwelt auf Zustimmung oder Ablehnung stoßen.

Im gleichen Urteil unter Nr. 35 mit Verweis auf das OLG Koblenz, Urteil vom 26. November 1975 mit Nichtannahmebeschluss des Senats vom 28. September 1976 – VI ZR 23/76 – AHRS 1220/19).

Der Heilpraktikerberuf ist historisch betrachtet untrennbar mit einer Vielfalt an unterschiedlichen Heilmethoden verbunden – daran hat sich bis dato nichts geändert. Der Staat hat auch heute noch eine freizügige Haltung, was die Heilmethode betrifft, solange diese nicht nachweislich schädlich ist.
Die Freiheit des Therapeuten endet darüber hinaus auch dort, wo die Behandlungsmethoden gegen die „guten Sitten“ versößt. Ein solches Vergehen ist weniger eine Methodenfrage, vielmehr eine Charakterfrage.

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