Zwangsstörungen

Zwangsstörungen äußern sich durch sich aufdrängende Ideen, Gedanken oder Impulse, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Bei einer Zwangsstörung leiden die Betroffenen unter ihren Zwängen, die als fremd und nicht zu der eigenen Person zugehörig empfunden werden.

Wie erkenne ich, ob ich oder einer meiner Angehörigen unter einer behandlungsbedürftigen Zwangsstörung leidet? Anbei ein paar Hinweise:

Geistige Ebene: Typische Denkmuster

Der Betroffene wehrt sich gegen das Auftreten der Zwänge und erlebt diese selbst als übertrieben und sinnlos. Typische Gedanken sind:

„Ich will es nicht tun, aber etwas in mir zwingt mich dazu …“
„Ich muss die Handlung ausführen, obwohl ich es selbst für überflüssig halte…“

 

Seelische Ebene: Gefühlswelt

Der Betroffene leidet unter unangenehmen Gedanken und Gefühlen, die Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ekel oder andere unangenehme Emotionen erzeugen. Die Zwangshandlungen oder auch Zwangsrituale vermitteln ein Gefühl der Sicherheit und helfen, die beängstigenden Gefühle zu reduzieren. Häufige Zwangsrituale sind:

Waschzwang: Die Betroffenen waschen sich bis zu 100-mal am Tag die Hände oder Duschen mehrmals am Tag. Dies geschieht in ritualisierter Form nach einem festgelegten Handlungsablauf, der häufig gar nicht bewusst ist.

Putzzwang: Der Betroffene spürt einen hohen Druck, bestimmte Bereiche des alltäglichen Umfelds immer wieder putzen zu müssen. Das einmalige Putzen führt nicht zu dem Gefühl, dass die geputzte Stelle sauber ist. Stattdessen verspüren die Erkrankten den Druck, bestimmte Bereiche immer wieder reinigen zu müssen, obwohl für einen außenstehenden Beobachter keine Verschmutzung mehr erkennbar ist.

Kontrollzwang: Der Kontrollzwang ist dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen bestimmte Kontrollvorgänge immer wieder durchführen müssen, weil sich das Gefühl nicht einstellt, dass das Ergebnis der Kontrolle positiv ausfällt. Somit wird beispielsweise immer wieder geprüft, ob der Herd auch ausgeschaltet, die Wohnungstür zugeschlossen oder die Fenster alle zu sind. Der Druck, diese Dinge kontrollieren zu müssen, ist beim Kontrollzwang sehr hoch, so dass die Betroffenen soviel Zeit und Energie in die Kontrollen investieren müssen. Das geht soweit, dass Aktivitäten des alltäglichen Lebens sowie die Lebensqualität der Betroffenen darunter leiden.

Ordnungszwang: Beim Ordnungszwang fühlt sich der Betroffenen gezwungen, bestimmte Alltagsgegenstände nach einer bestimmten Ordnung oder Symmetrie anzuordnen.

Berührzwang: Beim Berührzwang leiden die Betroffenen unter dem übermäßigen Druck, bestimmte Gegenstände, Personen oder Körperteile immer wieder berühren zu müssen. Bei einem leichten Berührzwang können die Betroffenen den Druck verspüren, bestimmte Objekten beim Vorbeigehen kurz mit der Hand zu berühren. Bei einem schweren Berührzwang kann der Zwang so ausgeprägt sein, dass die Betroffenen für einen längeren Zeitraum bei einem Objekt verharren müssen, um dieses immer wieder zu berühren.

Sammeln, Stalpeln, Horten (Messie): Beim sogenannten Messie-Syndrom wird nichts weggeworfen aus Angst, es könnte eines Tages noch gebraucht werden.

Zählzwang: Beim Zählzwang leiden die Betroffenen unter dem sich immer wieder aufdrängenden Impuls, in Gedanken bestimmte Zählrituale ausführen zu müssen.

Körperliche Ebene: Psychosomatische Symptome

Wenn diese Gedanken oder Handlungen nicht ausgeführt werden, fühlen sich die meisten Betroffenen starken Ängsten ausgesetzt. die Folge sind oft starke körperliche Symptome wie schwitzen, zittern oder Schwindel.

Auch die Zwangsstörung selbst kann körperliche Symptome verursachen. Wer sich zum Beispiel zwanghaft ständig wäscht, entwickelt oft starke Hautprobleme.

Zwangsstörungen haben die Tendenz zu chronifizieren oder schwerer zu werden, wenn sie nicht behandelt werden. Die Behandlungserfolge sind umso größer und schneller, je frühzeitiger mit der Therapie begonnen wird.

Zwangsstörungen sind heilbar!