Angststörungen

Das Empfinden von Angst ist im Alltag überlebenswichtig, da sie unsere Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft in Gefahrensituationen erhöht. Kritisch wird es erst, wenn aus normalen Ängsten eine krankhafte Störung wird. Angststörungen lassen sich unterteilen in Generalisierte AngststörungenPanikstörung mit und ohne Agoraphobie, spezifische Phobien und soziale Phobien.

Wie erkenne ich, ob ich oder einer meiner Angehörigen unter einer behandlungsbedürftigen Angststörung leide? Anbei ein paar Hinweise:

Geistige Ebene: Typische Denkmuster

Die Betroffenen oder Sie als Angehörige erkennen, dass die Ängste unbegründet und übertrieben sind. Die Betroffenen können die Ängste aber trotzdem nicht unter Kontrolle bekommen. Typische Denkmuster sind:

„Ich weiß, dass ich keine Angst haben muss, ich komme aber nicht dagegen an.“
„Ich habe Angst mich zu vergiften / eine tödliche Krankheit zu bekommen …“
„Ich habe Angst, dass meinem Kind etwas Schlimmes passiert…“
„Ich glaube, ich bekomme einen Herzinfarkt…“

Bei einer Angststörung leiden die Betroffenen unter ihren Ängsten, die als nicht zu der eigenen Person zugehörig empfunden werden.

Seelische Ebene: Gefühlswelt

Bei der Angststörung steht die Emotion Angst im Vordergrund. Je nach Art und Ausprägung der Angststörung können folgende Angststrukturen vorkommen:

Todesangst: Das Unterbewusstsein schlägt Alarm, obwohl rein objektiv keine Gefahr besteht. Besonders bei einer Panikattacke empfindet der Betroffene die Situation als akut bedrohlich, als ginge es um Leben und Tod. Die Todesangst, die beispielsweise bei einer Panikattacke empfunden wird, kann bis zu 30 Minuten anhalten.

Gefühle der Entfremdung: Bei einer Panikattacke kommt es zu wiederkehrenden schweren Angstattacken, die sich nicht auf bestimmte Situationen beziehen. Sie entstehen ohne ersichtlichen Anlass und sind deshalb nicht vorhersehbar. Die Attacken beginnen plötzlich und gehen mit starken körperlichen Reaktionen wie Herzklopfen, Erstickungsgefühlen, Schwindel oder Entfremdungsgefühlen einher.

Erhöhtes Angstniveau: Bei einer generalisierten Angststörungen spricht man von einem erhöhten Angstniveau, das nicht hochakut wie bei der Panikstörung verläuft, vielmehr einen chronischen Charakter hat und über der Norm liegt. Die Ängste und Befürchtungen können alle möglichen Themen des Lebens befallen.

Angst, wahnsinnig zu werden: Besonders bei generalisierten Angststörungen kann es vorkommen, dass der Betroffene Angst hat, wahnsinnig zu werden.

Angst vor Situationen, Dingen und Lebewesen: Bei Ängsten, die sich auf bestimmte Situationen, Objekte oder Lebewesen beziehen, die an sich genommen ungefährlich sind, sprechen wir von Phobien. Die phobischen Situationen werden gemieden, bzw. nur unter starker Angst und Unbehaben ertragen. Eine Konfrontation mit einer Phobie kann sogar Panikattacken auslösen. (Bsp.: Angst vor Hunden, Spinnen, Fahrstühlen, Fliegen oder Gewitter)

Angst vor Kontrollverlust: Der Betroffene versucht, die Angst besser unter Kontrolle zu bekommen und entwickelt ein Vermeidungsverhalten, damit die Angst nicht mehr aufkommen kann.

Vermeidungsverhalten: Der Betroffene hat beispielsweise ausgeprägte Ängste, im Fall einer Gefahr nicht an einen schützenden Ort zu gelangen (Agoraphobie), was dazu führen kann, dass der Betroffene seine Wohnung nicht mehr verlässt.

Angst vor kritischer Beurteilung: Den Betroffenen fällt es schwer, sich in Situationen zu begeben, in denen sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und von anderen Menschen kritisch beurteilt werden könnten. Sie haben Angst vor demütigenden oder peinlichen Reaktionen anderer und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. (Essen in der Gegenwart anderer, Unterzeichnen von Schriftstücken …)

Körperliche Ebene: Psychosomatische Symptome

Angstanfälle gehen mit einer Reihe somatischer Störungen einher. Je nach Art und Ausprägung der Angststörung sind folgende Symptome typisch:

Herz- und Kreislauf:  Angstanfälle und besonders Panikattacken gehen häufig einher mit Herzrasen, beschleunigtem Pulsschlag, Hitzewallungen, Beklemmungen in der Brust, Schwindel und Benommenheit.

Körperliche Unruhe: Befürchtungen und ständiges Sich-Sorgen führen zu Nervosität, Zittern und allgmeiner körperlicher Unruhe.

Verdauungsstörungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Speichel- und Schweißdrüsenfunktion: Mundtrockenheit und sogenannter „Angst“-Schweiß

Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen

Angst- und Panikstörungen verlaufen ohne erfolgreiche Therapie meist chronisch. Die Behandlungserfolge sind umso besser und schneller, je frühzeitiger begonnen wird.

Angststörungen können geheilt werden

Fallbeispiel: Phobien mit Panikstörung

Ein angesehener Bauunternehmer schickte seine Frau, weil diese bei wichtigen Geschäftsessen nicht mitkommen wollte – aus Angst sich im Restaurant zu vergiften. Im Gespräch mit der Klientin stellte sich heraus, dass sie sich auch zu Hause vor einer Lebensmittelvergiftung fürchtete und überpenibel alles entsorgte, was nicht absolut frisch war.

Zunächst prüften wir, ob es für diese Angst ein Ursprungs-Ereignis gab, welches den Stress auslöste. Dafür verwende ich einen Abfragebaum, deren Schritte vom Unterbewusstsein bestätigt oder verneint werden und mich systematisch zum Ursprung der Blockade führen. Die Suche führte uns zunächst zu einem Ereignis, welches acht Jahre her war. Die Klientin erinnerte sich: „Ich hatte einen lebensgefährlichen Motorradunfall und lag einige Tage im künstlichen Koma. Als ich wach wurde bekam ich starke Medikamente gegen die Schmerzen. Die Verabreichung dieser Substanzen hat in mir eine panische Angst ausgelöst – ich veranlasste gegen den Rat der Ärzte, mich frühzeitig aus dem Krankenhaus zu entlassen. Irgendwie konnte ich den Ärzten nicht trauen.“ Danach fing auch die Angst mit dem Essen an, erinnerte Sie sich.

Während Ihrer Erzählung konnte sie die Angst von damals spüren. Jetzt lokalisiert die Klientin mit der Bodyscan-Methode, wie und wo sich die Emotion Angst im Körper manifestiert: ein zugeschnürter Hals, ein Ohnmachtsgefühl im Kopf, Wut im Bauch usw. Nun setzt die Intervention ein. Eine Winke-Sequenz von ca. 20 Hin- und Her Bewegungen nennt man ein Set. Der Klient fokussiert dabei sowohl die Vorstellung der jetzigen Erinnerung als auch das subjektiv unangenehme Körperecho. Schon nach 6 bis 8 winke-Sets fühlt sich die Klientin frei von den unangenehmen Gefühlsreaktionen – auch wenn sie wiederholt an die zuvor stressende Szene denken soll: Der Körper ist entspannt, der Muskeltest fällt kraftvoll aus.

Durch den Muskeltest wurde bestätigt, dass es für Ihre Angst vor Essen ein weiteres Ereignis (Ursprungsereignis) gab, welches die Klientin vor 15 Jahre erlebte. Ein Bekannter der Klientin wollte sich einen „Scherz“ erlauben und hatte ihr heimlich Drogen (LSD) untergemischt und sie dann alleine gelassen.

Es folgte ein nicht enden wollender Horror-Trip…. Die Klientin erinnerte sich: “Ich hatte Todesängste und dachte ich sterbe. Ich litt unter Erstickungs- und Wahnvorstellungen und bin vor lauter Panik auf die Straße gerannt und stundenlang rumgeirrt, aber keiner hat mir geholfen. Ich wusste ja selber nicht, was mit mir los war, dann setzte die bewusste Erinnerung aus…“ Auch dieses traumatische Ereignis „bewinken“ wir wie zuvor, bis die das Ereignis verarbeitet ist.

Da die Amygdala keine hohen Ansprüche an den Grad der Ähnlichkeit stellt, reichen Bruchteile von Ähnlichkeiten aus (Einnahme von Substanzen), um eine Wiedererkennung mit der als gefährlich eingestuften Ursprungssituation herzustellen und Alarm zu schlagen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass jedes blockierende oder traumatisierende Ereignis unmittelbar eine Lawine von einschränkenden Glaubenssätzen auslöst und somit ein neues unbewusst wirkendes Glaubenssystem formt, welches wir anschließend rückgängig machen. Bei der Klientin waren es Sätze wie: „Essen ist gefährlich.“ oder „Ich darf Menschen nicht vertrauen“. Dieses einschränkende Glaubenssystem muss Schritt für Schritt entschlüsselt und rückgängig gemacht werden.

Nach vier Monaten berichtete die Klientin begeistert, dass sie aus einer „fremden“ Tüte Popcorn gegessen hätte und mit Ihrem Mann in einem neuen Fischrestaurant nett Essen war. Ihr Leben hatte sich zu diesen Themen deutlich entspannt.